Geschichte

Gedanken zur Einleitung

Zeit der Blüte, Zeit des Wachsens und dem Reifens, Zeit der Ruhe und der Neubesinnung. Dies gibt es nicht nur in der Natur immer wieder. Solche Zeiten finden sich auch im Leben einer Gemeinde. Frost und Hitze haben sich auch im Toggenburg abgelöst. Zeiten der Aufbrüche gingen über in Zeiten der Vertiefung. Freuden und Leiden, Schuld und Vergebung, dies alles hat die Verheissung des Meisters, Jesus Christus, nicht aufgehoben:«Ich will meine Gemeinde bauen».

Anfänge im Toggenburg

Weit zurück im vorigen Jahrhundert, haben Boten der Basler Mission - später auch Beauftragte der Evangelischen Gesellschaft des Kantons St. Gallen - da und dort im Toggenburg Versammlungen gehalten. Dies geschah jedoch eher sporadisch. Eine regelmässige Betreuung fehlte.

Dies veranlasste einige Ebnater Christen, sich an Inspektor Rappard auf St.Chrischona zu wenden. Es war ihre Bitte, dass bei ihnen ein Prediger der Pilgermission stationiert würde, damit sich die guten Anfänge zu einer sinnvollen, geordneten Arbeit entwickeln könnten. Nach den ersten grundlegenden Abklärungen erschien Rappard persönlich in Ebnat. Die Vorzeichen standen gut. Alles wies darauf hin, dass der Herr selbst hier eine Türe geöffnet hatte. 

Erste Prediger und frühe Versammlungsorte

1885 zog der erste Chrischona-Prediger, Paul Kübler, in Ebnat ein. Er war für die damaligen Verhältnisse der richtige Mann, initiativ und evangelistisch begabt. Zunächst bediente er lauter Hausgemeinden in Privathäusern. Schon im gleichen Jahr konnte mit einer Versammlung im äusseren Bunt, bei Herrn Schweitzer begonnen werden. 1887 ergab sich in Wattwil die Möglichkeit, bei Stationsvorstand Zimmermann Jünglingsverein und Männerstunden zu halten. Gleichzeitig öffnete sich die Türe im Haus von Johann Rieser in Ganterschwil. 1889 wusste sich Prediger Kübler gerufen, auch im Neckertal das Evangelium zu verkünden. Er scheute keinen Weg. In Brunnadern traf man sich vorerst bei Familie Fischbacher im Furt.

Erfreuliches Wachstum in Ebnat

Die junge Gemeinde erlebte, wie sich die Arbeit unter Gottes Segen entwickelte: Menschen kamen dazu und erlebten die neugestaltende Kraft des Auferstandenen.

1887 wurden die Stuben in den Häusern bald zu klein. Ein geräumiger Saal drängte sich auf. Im Howart konnte er erstellt und im August eingeweiht werden. Der Herr schenkte dem treuen Wirken weiterhin die Gnade zum Wachstum, so dass schon 10 Jahre später 1897 ein grösserer Saal mit Predigerwohnung dem Herrn geweiht werden konnte. Dieser wurde unter dem zweiten Prediger, Jakob Schoop, errichtet und in Dienst genommen.

Das erste Versammlungslokal wird ins Bunt gezüglet

Nun bedurfte die Ebnater Gemeinde ihres ersten Gotteshauses (Howart) nicht mehr. Was lag näher, als es der ursprünglichen Bestimmung zu erhalten? 1897 wurde das Lokal abgebrochen und in erweiterter Form im äusseren Bunt wieder aufgebaut. So hatte auch diese Gemeinde ihr eigenes Heim gefunden. Hier diente das Haus noch einmal 20 Jahre der Arbeit im Reiche Gottes.

Ausweitung ins obere Toggenburg

1910 wurde als Nachfolger des dritten Predigers J. Gmünder, Heinrich Wäckerling, im Toggenburg stationiert. Im Laufe seiner 15 jährigen Tätigkeit hat sich die Arbeit vor allem im oberen Toggenburg weiter ausgedehnt. Besonders in Nesslau sehnten sich die Gläubigen nach einem eigenen Versammlungslokal. 1920 wird in Nesslau das neue Vereinshaus eingeweiht. Mittlerweile hat das Arbeitsfeld Ebnat eine Ausdehnung erfahren, welche eine Teilung erforderlich machte

Entwicklung in Nesslau

Aus den Gliedern des Missionsvereins entstand in Nesslau eine Gemeinschaft. Dazu einige Sätze aus einem alten Jubiläumsbericht: „1910 hielt Prediger Wäckerling, nach Anfrage, in der Wohnung von Fräulein Wittenwiler die ersten Versammlungen. Auch hier erwies sich der Raum bald als zu eng und man sah sich genötigt, den Bau eines Vereinshauses ins Auge zu fassen. Nachdem mancherlei Schwierigkeiten überwunden waren, konnte am 31. Oktober 1920, zur Freude der Nesslauer Geschwister und zum Segen des ganzen Ortes, das neue Vereinshaus eingeweiht werden.“ 1971 wurde das Vereinshaus Nesslau durch den Einbau von WC-Anlagen im Untergeschoss aufgewertet.

12. Oktober 1919 Station Bunt wird eingeweiht

Mit der Station Bunt wird der Pilgermission St. Chrischona ein neues Arbeitsfeld erschlossen. Nachdem im bestehenden Versammlungslokal eine Predigerwohnung eingerichtet und ein grosser Saal angebaut worden war, begann mit einem Doppelfest ein neuer Zeitabschnitt.

Auch die Aussenstationen merkten bald, dass ein neuer Wind wehte. Bereits im folgenden Jahr, 1920 konnte in Brunnadern die Wirtschaft «Zum Landhaus» gekauft, als Gotteshaus gestaltet und dem Herrn geweiht werden.

Gottfried Schmid evanglisiert kräftig

Bei seinem Dienstantritt schrieb Gottfried Schmid, dass sich rund 50 Leute an insgesamt vier Orten trafen. Fünf Jahre später wusste er von 250 – 300 Leuten zu berichten, die sich regelmässig zu Versammlungen einfanden! Von 1919 bis 1926 wurden im Arbeitsfeld Bunt 20 Evangelisationswochen durchgeführt, 18 davon hielt Gottfried Schmid selbst. Der Chronist berichtet: «Am 12. Oktober 1919 feierte eine freudig dankbare Schar von 300 Personen das Doppelfest im Vereinshaus Bunt: Die Einweihung des Gotteshauses und die Installation des ersten Predigers auf der neugegründeten Station. Gottfried Schmid war vom Komitee für den neuen Pionierposten ausersehen worden.» Mit ihm kam ein glaubensstarker Beter in die Gegend, der mit seiner evangelistischen Gabe auf grosse Kreise der Bevölkerung wirkte. Die Zahl der Besucher wuchs. Im Bunt wurden Bibelstunden eingeführt, ein gemischter Chor, ein Männerchor und sogar ein Orchester entstanden.

Arbeitsfeld Ebnat-Kappel

Nach der Teilung des Arbeitsfeldes blieb Heinrich Wäckerling noch sechs Jahre in Ebnat. 1925, 40 Jahre nach der Einsetzung des ersten Predigers in Ebnat kam Bruder Robert Kübler in das Arbeitsfeld Ebnat-Kappel/Nesslau. Er war der Bruder von Paul Kübler. Unter Prediger Fritz Flückiger wurde die Arbeit bis ins Rheintal ausgedehnt. Es gab Versammlungen in Grabs und Sevelen. Diese Ausdehnung der Arbeit und verschiedene Bergversammlungen in der Weld, der Feuerschwand, in der Laad, im Rohr, im Schlatt und im Hemberg (wo noch lange Zeit eine Versammlung statt fand), machten die Berufung eines Gehilfen notwendig. Es war Johann Eidarn, der von Chrischona eingesetzt wurde. Zur Zeit von Prediger Hans Seiller (1938) wurde das Vereinshaus in Ebnat-Kappel aussen renoviert. Vier Jahre später erfolgte eine Innenrenovation der Säle. Unserer Gemeinschaftsarbeit haben die Vereine einen sehr wichtigen Beitrag geleistet. Es sind unter anderen besonders zu erwähnen: Der Gemischte Chor, der Posaunenchor und die Jugendgruppe. Es ist gut, dass in und durch diese Gruppen das Lob Gottes vermehrt wurde und wird. Im Jahre 1962 arbeiteten einige Männer mit Prediger Fritz Zobrist zusammen sehr intensiv am Vereinshaus in Ebnat. Die Renovationsarbeiten dauerten von April bis Oktober. Seither steht die praktische Eingangshalle mit den WC-Anlagen. Wir sind sehr dankbar dafür. Auch in Wildhaus wurde Gottes Wort in Bibelstunden und Evangelisationen verkündigt. Allerdings bekommt man aus den Berichten der früheren Jahre den Eindruck, dass die Arbeit dort oft mühsam war. Zur Zeit besteht in Wildhaus keine Verkündigung mehr von unserer Gemeinde aus.

Einweihung der Chrischona Kapelle 21. Juli 1929

Bruder Schmid hatte bemerkt, dass das Dorf und sein Einzugsgebiet ständig wuchs. Darum initiierte er 1928 einen Landkauf in Wattwil. Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau der Kapelle begonnen. Im bereits am 21. Juli 1929 in einem zweieinhalbstündigen Gottesdienst bei sengender Hitze eingeweiht wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Versammlungen im Haus von Elias Baumann hinter der Kirche statt. Elisas Baumann hatte während 28 Jahren sein Heim mit viel Hingabe für das Reich Gottes zur Verfügung gestellt.

Mogelsberg, eine Frucht der Evangelisation

Wiederholt hat Prediger E. Reichart in Brunnadern evangelisiert. Menschen von Mogelsberg wurden angesprochen und wünschten auch in ihrem Dorf Zusammenkünfte unter Gottes Wort. 1938 versammelte man sich bei Frau Schnebeli. Drei Jahre später richtete Lehrer Otto Früh in seinem Haus neben der Kirche einen freundlichen kleinen Saal ein. Hier traf man sich dann regelmässig zu Bibelstunden.

Von nun an gehörten zur Station Bunt die Orte: Wattwil, Brunnadern, Mogelsberg und Ganterschwil.

Aus dem Arbeitsfeld Bund wächst die Chrischona Wattwil

Die Situation im Arbeitsfeld hat sich allmählich verändert. Im Bunt ging der Besuch zurück, während er in Wattwil langsam, aber stetig zunahm. Für die mehr und mehr überhandnehmenden Schäden am Haus Bunt fand man keinen befriedigenden Ausweg. Dazu wirkte sich der zunehmende Verkehr auf der nahen Durchgangsstrasse negativ aus. Schon Prediger Emil Heiniger sah eine Verlegung der Arbeit in Richtung Wattwil. Doch vorerst blieben die Türen verschlossen. 1963 war es soweit: Nach langer, vergeblicher Suche konnte unweit der Kapelle Wattwil ein Einfamilienhaus im Rohbau gekauft und fertiggestellt werden. Im Herbst zog Familie Paul Blaser ins neue Predigerwohnhaus um. Gott hat diesen Schritt in den folgenden zwei Jahrzehnten bestätigt: Die Gemeinde in Wattwil wuchs.

Neuzeit im Neckertal

Schon geraume Zeit bewegte uns die Situation im Neckertal. Die wachsenden Aufgaben am Hauptort liessen eine intensive Arbeit in dieser Gegend nicht zu. 1981 wurde Jörg Forrer in Brunnadern als Prediger und Pioniermissionar eingesetzt Haus und Saal wurden umfangreichen Renovationsarbeiten unterzogen. Gleichzeitig begann eine neue Säarbeit mit dem Volksblatt, das nun regelmässig in Brunnadern und Necker verteilt wird.

Vernetzung Wattwil - Neckertal von 2008 - 2015

Am 21. August 2008 haben die Vertreter der Gemeindeleitung der Chrischona-Gemeinden Brunnadern und Wattwil miteinander die Ergänzungsvereinbarung unterzeichnet. Durch die Vereinbarung wird die Gemeindeleitung von der Chrischona-Gemeinde Brunnadern durch den Prediger der Chrischona-Gemeinde Wattwil ergänzet. Die Unterzeichnung der Vereinbarung basiert auf dem gegenseitigen Vertrauen und bringt den Willen zum Ausdruck im Bereich der angestellten Mitarbeiter gemeinsam ein Stück Weg zu gehen. Im Rahmen der kleinen Feier hat Prediger Stephan Rohner mit einem Bibelwort hervorgehoben, dass Gott der Baumeister aller Dinge ist (Heb 3,4), so auch dieser Vereinbarung. Er ermutige auch in kommenden Schwierigkeiten als Bauleute Gottes treu zusein und sich gemeinsam am Willen des Bauherren auszurichten. Hans Gysin, der Leiter der Chrischona Brunnadern, dankte der Gemeinde in Wattwil, dass sie ihren Prediger mit seinen Gaben, seinem Wissen und seinen Fähigkeiten mit der Gemeinde im Neckertal teilen will. Er äussert die Hoffnung, dass die Gemeinde Wattwil, aber auch jedes einzelne Mitglieder, durch die Hilfsbereitschaft nicht zu kurz kommt, sondern beschenkt werden. Nach der feierlichen Unterzeichnung genossen wir eine gute Mahlzeit und haben in einer Gebetsgemeinschaft gemeinsam den Segen Gottes erbeten.

Lebendige Jungschar ab 1993

Die Jungschararbeit ist ein wachsender Zweig der Chrischona Neckertal. Sie hat über viel Jahre jeden zweiten Samstag bis zu 40 Kinder in einem Outdoor-Prgramm gefördert und ihnen die frohe Botschaft von Jesus erzählt. Dabei waren sie stehts sehr kreativ und und nahe bei den Menschen. Viele Jahre wurde die Arbeit von Agnes Bäbler geleitet. Kräftig unterstützt wurde sie von ihrer Familie (im Bild von 2009 Michaela, Simon und Janinne). Die Arbeit hat massgeblich dazu begetragen, dass die Gemeinde gewachsen ist. Christliche Eltern schätzen diesen persönlichen Einsatz für ihre Kinder ganz besonders.

Pastoren Sommer 2015

Simon Huser / Bruno Kalt / Stephan Rohner

Entwicklung der Chrischona Toggenburg ab 2015

Die Chrischona Gemeinden im Toggenburg sind untereinander stark verbunden. Die Gemeindeglieder kennen und schätzen sich über die Gemeindegrenzen hinaus. Dazu haben besonders die Regionalen Gemeindeleitungstreffen beigetragen. Aus diesen Zusammenkünften der Leitungen der vier Gemeinden sind fruchtbare Projekte hervorgegangen. Stärkste verbindendes Element ist die regionale Jugendgruppe, die zur Zeit growing up (engl. für aufwachsen) heisst. Bei diesen Treffen, die vorwiegende von den Jugendlichen selber gestaltet werden, ist seit ein paar Jahren ein geistlicher Leiter (Simon Huser) dabei. Getragen wird die Arbeit primär von den beiden grossen Gemeinden Wattwil und Ebnat-Kappel. Seit 2015 ist auch die Seniorenarbeit auch 55plus genannt, zusammengewachsen, so dass in Wattwil regelmässig ein grösseres Treffen stattfindet.

Aus diesem Zusammenrücken der Gemeinden ist die Idee gewachsen, dass die eher kleineren Gemeinden Nesslau und Neckertal zusammen einen Pastor anstellen könnten, der die geistlichen Leitungsaufgaben und die regionale Vertretung wahrnehmen kann. Dieser Plan lies sich im Rahmen des Pastorenwechsels 2015 realisieren, so dass diese Gemeinden finanziell entlastet wurden und doch eine kompetente Person für die pastoralen Dienste zur Verfügung haben.

Die Vernetzung bringt auch gemeinsame Gottesdienste hervor. So ist es Tradition geworden, dass an Himmelfahrt eine Gemeinde für alle die Gottesdienste organisiert und anschliessend gemeinsam grilliert wird. Solche und viele andre Anlässe haben zu einem tragenden Netzwerk in der Region geführt. Dieses Netz ist auch fit und stark genug um Menschen aus der Welt aufzufangen und ihnen eine geistliche Heimat zu bieten. Dabei können sie frei die Gemeinde mit ihrem Profil wählen und so erleben, dass christlicher Glaube, keine Monokultur ist, sondern von immenser Vielfalt geprägt ist.